Reaktivierungen

Beitrag zur Verkehrswende:
Reaktivierung der Dietzhölztalbahn

Dietzhölztalbahn Jpg
Die Gestaltung einer nachhaltigen Mobilität rückt aktuell immer stärker in den Fokus unseres Lebens. Mit den Pariser Klimaschutzzielen hat sich Deutschland verpflichtet, die CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren und bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein. Die Reaktivierung der Dietzhölztalbahn von Dillenburg nach Ewersbach kann dabei einen bedeutenden Beitrag in und für die Region leisten.

Hintergrund

Die Dietzhölztalbahn ist eine 15,9 Kilometer lange, eingleisige Bahnstrecke im nördlichen Lahn-Dill-Kreis (Streckennummer 3720) und führt von Dillenburg nach Ewersbach. Die Bahntrasse folgt dabei über weite Teile dem Bachlauf der Dietzhölze, so dass dadurch nur wenige Ingenieurbauwerke erforderlich sind.


Der Personenverkehr wurde 1987 eingestellt. Die Einstellung des Güterverkehrs nördlich von Dillenburg folgte 2001, im gleichen Jahr erfolgte die Stilllegung des Streckenabschnitts zwischen km 2,2 und km 15,9. Im Abschnitt zwischen dem Bahnhof Dillenburg und km 2,2 ist die Strecke bis heute in Betrieb und wird im Güterverkehr bedient.

lm Einzugsbereich der eingleisigen Bahnstrecke leben und arbeiten insgesamt rund 19.000 Einwohner und ca. 8.000 Ein- und Auspendler.
Die erheblichen täglichen Pendlerströme finden vorwiegend auf der Verkehrsachse Dietzhölztal–Dillenburg statt und entsprechen damit dem Verlauf der Bahnstrecke. In Eibelshausen liegt die kooperative Gesamtschule mit ca. 960 Schülern in direkter Nachbarschaft zur Bahnstrecke und am Streckenende die Theologische Hochschule Ewersbach.

Die Dietzhölztalbahn In Eschenburg-Eibelshausen
Foto: Dietzhölztalbahn E.v. / Stephan Kretzer
Die Dietzhölztalbahn in Eschenburg-Eibelshausen
Foto: Dietzhölztalbahn e.V. / Stephan Kretzer

Aktuelle Situation

Die Strecke ist im aktuell gültigen Regionalplan Mittelhessen als eine zu sichernde Bahnstrecke aufgeführt. Trotz des Widerstandes lokaler Bürgermeister ist im EU-Förderprogramm „Regionales Entwicklungskonzept Lahn-Dill-Bergland“ ebenfalls die Reaktivierung als ein Projekt zur ländlichen Entwicklung und zur effizienten Ausschöpfung der Verkehrssysteme aufgenommen.

Ebenso wird in zwei Positionspapieren des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Dietzhölztalbahn aufgeführt. Zum einen wird im Positionspapier „Auf der Agenda: Reaktivierung von Eisenbahnstrecken“ die Reaktivierung der Bahnstrecke mit hoher Priorität kategorisiert und zum anderen im Positionspapier „Voll elektrisch“ der Bahnstrecke eine besondere Eignung für einen Hybridbetrieb bescheinigt.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) in Kooperation mit der Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil GmbH (VLDW) in Auftrag gegebene „Voruntersuchung zu Reaktivierungen der Dietzhölztalbahn, Solmstalbahn, Weiltalbahn“, die einer möglichen Reaktivierung der Dietzhölztalbahn sehr wenig Potential zuspricht. Begründet wird dies einerseits mit sehr hohen Investitionskosten, wobei die Berechnung der angegebenen geschätzten Kosten intransparent und in keinster Weise nachvollziehbar ist.

Andererseits sind in der Voruntersuchung eklatante strukturelle Fehler enthalten, indem beispielsweise entgegen den Vorgaben des aktuell gültigen Nahverkehrsplans des Lahn-Dill-Kreis die bestehende Buslinie praktisch unverändert bestehen bleibt und somit ein Parallelverkehr vorgegeben wird, der lt. NVP genehmigungsrechtlich zu vermeiden ist.

Zusätzlich kommt die Voruntersuchung zum Ergebnis, dass bei einer Reaktivierung trotz einer Halbierung der Fahrzeit im SPNV (26 Minuten) gegenüber der durchschnittlichen Fahrzeit des aktuellen Busangebotes (50 Minuten) nur ein vernachlässigbares Verlagerungspotential von ÖV und MIV besteht. Vielmehr kommt in diesem Zusammenhang  die Voruntersuchung hier zur Schlussfolgerung, dass es sich dabei um „vergleichbare Fahrzeiten“ handelt. Das ist in hohem Maße irrational und überhaupt nicht nachvollziehbar.

Reaktivierungskonzept Dietzhölztalbahn e.V.

Ziel des Vereins ist es, unter Berücksichtigung der reaktivierten Bahnlinie, ein modernes, intermodales und nachhaltiges Mobilitätskonzept für die Region zu realisieren. Die Bahnstrecke soll im Rahmen der Reaktivierung an die heutigen Erfordernisse angepasst und zu einer modernen Infrastruktur ausgebaut werden, beispielsweise sollen zusätzliche Haltestellen errichtet und Standorte bestehender Haltestellen anhand der Siedlungsentwicklung angepasst werden. Insgesamt sind zwei Bahnhöfe und neun Haltepunkte anstelle der ursprünglichen fünf Stationen vorgesehen.


Bestehende Buslinien können dadurch entweder entfallen oder werden mit Modifikationen in das neue Mobilitätskonzept „Entlang der Dietzhölze“ übernommen, um die umliegenden, aber abseits der Bahnlinie liegenden Ortschaften an die Dietzhölztalbahn anzubinden. Diese Zubringerbuslinien sind auf den Fahrplan der Bahnstrecke getaktet, um dadurch attraktive Fahrzeiten und Verbindungen zu erreichen.

Das vom Verein ausgearbeitete Betriebs- und Fahrplankonzept sieht einen Stundentakt vor, der in der Hauptverkehrszeit zu einem Halbstundentakt zwischen Dillenburg und Eibelshausen verdichtet wird. Die Fahrzeit zwischen Ewersbach und Dillenburg beträgt dabei einheitlich 27 Minuten, die Verbindungen sind dabei in Dillenburg auf die Anschlüsse in Richtung Frankfurt und Siegen getaktet.


Der Ausbau der neuen Bahnhöfe und Haltepunkte zu multimodalen Verknüpfungsstationen trägt dazu bei, das SPNV-Angebot stärker in die regionalen und nahräumigen Verkehrsbeziehungen zu integrieren. So sollen die neuen Stationen auch mit Bike&Ride-Anlagen ausgestattet werden, um so für den Fahrgast eine attraktive Kombination von Fahrrad und Bahn ermöglichen zu können.


Deutschlandweit gibt es bereits Dutzende Beispiele erfolgreicher Reaktivierungen von Bahnstrecken im ländlichen Raum. Seit 1996 sind so insgesamt 49 Bahnstrecken reaktiviert worden, wobei 90 % dieser Eisenbahnstrecken die prognostizierten Fahrgastzahlen erfüllen oder sogar übertreffen.
Die dabei ermittelten Erfolgsfaktoren, wie der Stundentakt an Wochentagen, aufeinander abgestimmte Busanschlüsse und die barrierefreien Stationen und Fahrzeuge sind im Mobilitätskonzept „Entlang der Dietzhölze“ berücksichtigt worden und eingeflossen.

Karte mit Verlauf der Dietzhölztalbahn

In folgender Karte kann der zu reaktivierende Abschnitt der Dietzhölztalbahn von Ewersbach nach Dillenburg interaktiv erforscht werden (blaue Linie):

Über den Verein Dietzhölztalbahn e.V.

Anfang 2012 haben sich interessierte Bürgerinnen und Bürger zur IG Dietzhölztalbahn zusammengefunden. Daraus gründete sich der Verein, der seit März 2014 als „Dietzhölztalbahn e.V.“ im Vereinsregister eingetragen ist. Für die Reaktivierung der Bahnstrecke setzen sich die Vereinsmitglieder auf vielfältige und unterschiedlichste Weise ein. Mit Präsentationen und Informationsständen werden Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft ebenso wie die Zivilbevölkerung von den Vorteilen eines neuen und attraktiven ÖPNV-Angebotes informiert. 

Vor allem durch handwerkliche Tätigkeiten in der aktiven Strecken- und Landschaftspflege wird durch regelmäßige Vegetationspflege, Freischnitt- und Aufräumaktionen die Bahnstrecke freigehalten. Vorsitzender ist Stephan Kretzer, sein Stellvertreter Dipl.-Ing. (FH) Torsten Haas. Wer den Verein dabei aktiv unterstützen möchte, kann über info@dietzhoelztalbahn.net Kontakt zum Vorstand aufnehmen. Weitere Informationen über den Verein und seine Tätigkeiten gibt es im Internet unter www.dietzhoelztalbahn.net, über Facebook oder Instagram.

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